Ausgewählte Predigtgedanken zum Nachlesen und Nachdenken

"Ich freu mich auf dich!" GoSpecial6 am 4.November 2018, Pfarrer Müller meinte u.a. dazu:

Ein starkes Gefühl diese Freude!

Ausgelassene Freude auf dem Fußballplatz…

bei einem Rockkonzert…

 

Wie alle unsere Gefühle, zeigt uns auch die Freude,

das ein wichtiges Bedürfnis, das wir haben, erfüllt wurde!

 

So ist es auch mit anderen Gefühlen, z.B. mit Ärger und Trauer,

Ist uns immer bewusst, was wir brauchen und was uns guttut?

 

Und Freude brauchen wir unbedingt im Leben,

weil sie uns zeigt, dass wir lebendig sind,

das wir leben und das unser Leben einen Sinn hat

und es sich lohnt zu leben.

 

In den nächsten 3 Liedern möchten wir euch mitnehmen,

gedanklich, gefühlsmäßig einen Weg zu gehen:

die Trauer zu verlassen,

das Geschenk Gottes annehmen

und die Kraft zum Neuanfang zu wagen…


Dunkle Nacht
Gott schenkt uns ein neues Herz (2017)
Stille Gespräche

 

Jesus sagt: Das habe ich zu euch gesagt, dass meine Freude in euch sei

und eure Freude vollkommen werde. & die Freude über Jesus.

 

Alles, was Jesus im Evangelium sagt hat ein Ziel:

dass seine Freude in unser Leben kommt!

 

Worüber freut sich Jesus? Von welcher Freude spricht er hier?

Jesus hat einmal von der Freude der Engel im Himmel erzählt,

wenn ein Mensch umkehrt und den Weg zu Gott findet.

 

Es ist die Freude, die der Vater hatte,

als er sah, dass sein Sohn wieder nach Hause kommt.

 

Und Jesus redet hier nicht von einer oberflächlichen Freude,

er sagt, dass die Freude, die er uns schenkt, etwas Vollkommenes ist.

 

Keine Freude, die am nächsten Morgen wieder weg ist…

Es ist die Freude, dass du und ich ein Kind Gottes sind.

und diese Gewissheit kann jeder haben.

 

Und so wie es in unserem ersten Lied klang:
Gott hat uns alles gegeben… u
nd auch die Hoffnung, dass ER bei uns ist, alle Zeit

– und das uns nichts trennen wird, von seiner Liebe.

 

Das Gefühl wählt mit

BW
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BW
Gedanken zum Ausgang der Landtagswahl in Bayern.
Lange Gesichter sah man am Sonntagabend. Jedenfalls bei den Verlierern der Landtagswahl in Bayern. Es war ein bitterer Abend für alle, die bis zuletzt gehofft hatten, es möge nicht so schlimm kommen wie vorhergesagt. Es kam aber so schlimm. Die einstmals großen Parteien verlieren deutlich. Man traut ihnen viel weniger als früher. Man ist der Streitereien in Berlin und München überdrüssig. Viele suchten sich neue Parteien für ihren Ärger – oder für ihre Hoffnung. Manche wollten vielleicht einfach nur „Denkzettel“ verteilen, was einer Demokratie eher nicht gut bekommt. Klar sollte aber sein: Es darf nicht einfach so weitergehen, weder in Berlin noch in München. Es ist nicht nur eine Frage nach dem Stil und der Performens, wie Politiker sich äußern, es geht auch um den Inhalt von Politik. Wenn Fragen und Sorgen der Bürger einfach ignoriert werden, sollen sich die Politiker nicht wundern, wenn Bürger, wenn sie einmal die Möglichkeit haben, bei einer Wahl, die Parteien und Kandidaten zu wählen, die ihre Meinung vertreten. Erklärungen gibt es viele, Schuldzuweisungen auch, manchmal schon vor der Wahl. Eine besonders eigenartige Erklärung hatte ein älterer Politiker, der vor einer Woche in etwa sagte: Die vielen aus Deutschland nach Bayern Zugezogenen verstünden eben die bayerischen Verhältnisse nicht. Nicht die Arbeit der Parteien ist schuld, soll das wohl heißen, sondern die Wähler. Etwas Wichtiges wird dabei gelegentlich übersehen. Es geht bei einer Wahl nie nur um Sachen und Personen; es geht auch ums Fühlen. Das Gefühl wählt mit. Und etliche der Wähler fühlen sich nicht mehr ernst genommen. Oder abgehängt. Das muss längst nicht immer stimmen. Es genügt aber schon, wenn Menschen sich so fühlen. Und Politiker das übersehen. Oder klein reden. Es gibt ein Gefühl von Ungerechtigkeit. Manche kommen auf keinen grünen Zweig, finden sie. Andere bekommen viel Geld. Man rettet Banken – und für Schulen und Schwimmbäder fehlt angeblich das Geld. Man hilft der Autoindustrie, obwohl sie betrogen hat. Man macht gute Geschäfte mit Waffen. Und bezahlt Pfleger schlecht. Es geht dann also weniger um Sachen, sondern um das Gefühl von Ungerechtigkeit. Das Recht soll strömen wie Wasser, bittet ein Prophet im Namen Gottes (Amos 5,24). Das ist schon damals ein sehr ernster Rat an die Politiker des Landes: Unterschätzt das Fühlen nicht. Vor allem nicht das Gefühl von Ungerechtigkeit. Und macht die Wähler nicht verantwortlich für alles, was nicht nach euren Plänen läuft. Wähler wollen zuerst das Gefühl bekommen, ganz ernst genommen zu werden auch in ihrem Fühlen. Dann sind sie bereit, auch über Sachen nachzudenken. Und bei einer Sache, der wichtigsten, möchten sie mitdenken und mitreden können: Geht es gerecht zu in unserem Land? Nicht das Geld, allein die Gerechtigkeit macht ein Land stark. Gerechtigkeit erhöht ein Volk (Sprüche Salomos 14,34) (Foto pi-news.net Text F.Müller nach buhv.de)

 

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Weihnachten - Christfest - Messias

„Bist du es oder sollen wir auf einen anderen warten?“, so fragte Johannes der Täufer Jesus, ob er der verheißene Messias sei. Eine ebenso dringende Frage stellten die Jünger: „Wann kommt das Reich Gottes?“ Es hat sich herumgesprochen, dass die Kirche, in welcher Form und Konfession auch immer, nicht das verheißene Reich Gottes ist.

Am Heiligen Abend werden in den Kirchen die prophetischen Verheißungen gelesen, dass Friede auf Erde sein werde. Ist das eine verblaste Hoffnung? Ein nicht erfüllbarer frommer Wunsch? Darüber lassen die Prophetenworte keinen Zweifel, dass, wenn der Messias kommt, mit ihm das Gottesreich kommt, in dem der allumfassende Friede auf Erden herrschen werde. Die ersten Christen erlebten nach Jesu Kommen, seinem Sterben, Auferstehen und seine Himmelfahrt Verfolgung durch die römischen Kaiser, alles andere als das angebrochene Himmelreich auf Erden. Deshalb war die Erwartung, das Jesus wiederkommen werde, eine dringende Notwendigkeit, schließlich stehen die Erfüllungen der Prophetenworte noch bis heute aus. Im Glaubensbekenntnis hat sich diese Einsicht so ausgedrückt: „Ich glaube an Jesus Christus… er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen...“

Die Erwartung an die Wiederkunft Jesu hat sich in der Geschichte das eine und andere Mal in skurrilen Manifestationen frommer Verstiegenheiten gezeigt. Der normale Kirchenchrist richtet seine Erwartungshaltung in der Adventszeit auf das „Alle Jahre wieder“ der Weihnachtszeit. Aber ist die Sehnsucht nach Frieden in der Nahnerwartung Jesu unter uns noch wach, wie wir es im allsonntäglichen Bekenntnis unseres Glaubens beten?

Im jüdischen Glaubensbekenntnis, nach dem Gelehrten Maimonides, betet der fromme Jude täglich: „Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Messias kommt, und ungeachtet seines langen Ausbleibens erwarte ich täglich seine Ankunft.“ In diesem Gebet treffen sich die beiden Glaubenshaltungen, dass der Messias kommen und dass er wiederkommen möge.

M B D Mordechai Ben David, ein jüdischer Liederdichter singt den 12.Glaubensartikel:

https://www.youtube.com/watch?v=cYVxU-bNIEQ

(foto spirii.de text fm)

 

Predigt beim 1.Motorrad Gottesdienst 22.Juli2017

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Gestern stand in der FLZ ein Bericht über tödliche Motorradunfälle.
Werner Bauer vom Polizeipräsidium Mittelfranken wird dort zitiert:

„Heuer sind bereits 14 Motorradfah­rer tödlich verunglückt - mehr als doppelt so viel wie im gesamten vergan­genen Jahr. Bisher gilt für das Jahr 2017, dass jeder dritte Verkehrstote in Mittel­franken ein Kradfahrer war. „Diese Tendenz gibt Anlass zur Sorge - vor allem wenn man be­denkt, dass die Motorrad­saison noch gute drei Monate dauert", erklärt Bauer. In 13 Fällen war der ge­tötete Biker auch der Unfallverursacher, 12 der tödlichen Unfälle er­eigneten sich auf Land­straßen. Mal war ein Feh­ler beim Überholen die Ursache, mal wurde der Fahrer aus der Kurve getragen. Dass in vielen Fäl­len überhöhte Geschwindigkeit der entscheidende Faktor war, kann Bau­er nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen.“

Das macht jeden Motorradfahren betroffen, auch deshalb, weil wohl jeder von uns schon mal in einer brenzlichen Situation war, wo du dachtest: „O Mann, Gott sei Dank, ist noch mal gutgegangen!“ Oder, wer kennt nicht diesen Gedanken: „Hoffentlich sieht der mich jetzt!“ der Schlepperfahrer, der vom Feldweg auf die Landstraße auffahren will. Oder: „…den hätte ich beinahe übersehen!“

Du siehst mich! ein passendes Thema für einen Motorrad-Gottesdienst,

Wir wissen, wie wichtig es ist, aufmerksam und vorausschauend zu fahren, Motorradfahrer und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu übersehen. Die meisten von uns grüßen ja andere Motorradfahrer mit dem Bikergruß beim Vorbeifahren: Will sagen „Ich sehe dich! – Pass auf dich auf!“ Ich sehe Dich – Du siehst mich – alles gut!

Du siehst mich! dieser Satz stammt aus der Bibel und gemeint ist Gott, der den Menschen ansieht. Nicht in der Weise,  dass wir Angst haben müssten vor Gottes Blick. Sondern in der Weise, dass Gott auf uns Menschen aufpasst, Er hält uns im Blick, wenn wir ihn längst nicht mehr im Focus haben. Gott ist hell wach, er schaut nicht weg auch wenn wir über die Stränge schlagen, oder zu schnell oder uns verfahren.

Du siehst mich Gott, pass auf mich auf!
Mach mich aufmerksam und lass mich verantwortlich unterwegs sein! Ich möchte noch mal Werner Bauer aus der Zeitung zitieren: „Es liegt an dir, ob du die Kurve kriegst und gesund nach Hause kommst", appelliert der Fach­mann an die Vernunft der Fahrer. Bauer verweist in diesem Zusam­menhang auch auf die „vier großen B" bei der Ausrüstung (Bereifung, Brems­anlage, Beleuchtung und Bekleidung), auf die jeder verantwortungsbewusste Biker achten sollte. Ein technisch ein­wandfreies Krad, das regelmäßig von einem Fachbetrieb gewartet wird, so­wie geeignete Schutzbekleidung kön­nen unter Umständen Leben retten.

Psalm der Motorradfahrers

Ich will Dich loben, Du Gott des Himmels und der Erde,
der Du die Welt geschaffen hast.
Ich will Dich loben, der Du die Berge und die Seen,
die Wiesen und die Wälder meinem Auge zeigst.

Ich will Dich loben, der Du die Straße vor mir ausbreitest,
die Straße mit dem glatten Asphalt.
Gott, wenn ich den Fahrtwind im Gesicht spüre,
fühle ich Deine erfrischende Gunst.

Wenn ich die Bäume und die Felder an mir vorbeigleiten sehe,
so freue ich mich meines Lebens.
Wenn ich mein Motorrad beschleunige,
so drücke ich meine Lebensfreude aus.

Doch Gott, wenn ich in den Morgen fahre,
so weiß ich nicht, ob ich den Abend noch sehen werde.
Gott, behüte mich vor Unfall und Gefahr,
vor Leichtsinn und Übermut, behüte mich auf der Straße
und bewahre mein Leben vor dem Tod.

Gott, ich will Dich loben auf der Straße im frischen Fahrtwind, solange ich lebe.
Amen!

„Gebet des träumenden Motorradfahrers"

„Guter Gott, Manchmal träume ich davon...
... weit weg zu fahren, z.B. zum Nordkapp,
eine Expedition zu bestehen, nach Afrika oder Indien z.B.
... als strahlender Sieger über den Ring zu heizen,
und in der Kurve bestaunt und gefeiert zu werden
... mit Sozia oder Sozius auf einem Tourer in den Urlaub zu „dampfen",
gemächlich und bequem durch reizvolle Landschaft zu gleiten
.. als Chopperfahrer, Peter Fonda gleich, auf Easy-Rider-Schwingen
den Wind willkommen zu heißen."

Motorradsegnung – GEBET:

Herr und Gott, wir stehen vor deinem Angesicht und rufen zu dir:
Segne diese Motorräder, ihre Fahrer und Fahrerinnen
und beschütze sie vor Unglück und Schaden.
Lass’ sie Freude finden am Fahren
und erhalte Ihnen die nötige Übersicht.
Bewahre sie vor der Unachtsamkeit von LKW-und Autofahrern
und schenke ihnen Geistesgegenwart, Coolness
sowie das nötige Geschick,
in gefährlichen Verkehrssituation richtig zu reagieren.
Lass’ sie immer wieder wohlbehalten zuhause ankommen.
Das gewähre uns durch Christus, unseren Herrn.

 

Teamwork der Reformation: Luther und Melanchthon
(Predigt am 2.Juli auf dem Sportplatz beim Familientag des Elpersdorfer Sportvereines)

1. Fußball
Herzlichen Glückwunsch dem Sportverein Elpersdorf zum Wiederaufstieg! Was haben wir gezittert und gebangt, gehofft und gebetet. Eigentlich sollte es schon beim vorletzten Spiel gegen Flachslanden klar sein – aber, so ist es, die Spannung bis zuletzt durchhalten. Erst bei letzten Spiel habt ihr es klargemacht: Elpersdorf gehört in die Kreisliga! Ausgelassen wurde rund um die Uhr gefeiert, in den neuen Shirts, im Holzstapel… bis zum Abwinken.

Die Bundesliga macht noch bis Mitte August Pause, aber der Ball rollt trotzdem: die U21 ist am Freitag in Polen Europameister geworden und das gegen Spanien! Alle Achtung! Und heute Abend das Endspiel im Konfi-Cup in St.Petersburg gegen Mexico – und das mit der B Auswahl! Lassen wir uns gern überraschen – mit einem Sieg, aber immer schön auf dem Boden bleiben! 
Hat Fußball etwas mit dem Glauben zu tun? mit Gott? Naja, manche Spieler werden und lassen sich als Stars verehren – aber immer schön auf dem Boden bleiben…

2. 2017 das Jahr des Reformationsjubiläums,
Die Reformation vor 500 Jahren war auch wie ein Spiel, Fußball kannte man damals noch nicht; da spielte die Mannschaft Luther-Protestantisch gegen Papst, Kaiser-Katholisch.
Martin Luthers Fragen hatte die Reformation ausgelöst. Es waren sein Mut und seine Entschlossenheit, die sie vorangetrieben haben. Aber alleine hätte er das Spiel nicht gewonnen,
noch nicht einmal angepfiffen, denn ohne die Vorarbeiten vieler Menschen und ohne die Unterstützung zahlreicher Mitstreiter – wer weiß, was aus der Thesenveröffentlichung vom 31. Oktober 1517 geworden wäre.

Philipp Melanchthon war Luthers wichtigster Mitstreiter, sein Linksaußen sozusagen, der die Pässe Luther in die Mitte rein gab und Luther schoss dann ein Tor nach dem anderen:
Zuerst der Thesenanschlag 31.10.2017, 1:0 sein Auftreten vor dem Kaiser Karl V im Mainz, mit dem berühmten Satz: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen. Das hat gesessen, 2:0 Das 3:0 machte Philipp Melanchthon am 25. Juni 1530 mit dem Augsburger Bekenntnis.

Mit zwei Bildern möchte ich Sie nach Wittenberg führen, in die Lutherstadt Wittenberg, die so heißt, obwohl auch Melanchthon hier lebte und wirkte. Nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt
wohnten die beiden Reformatoren, auf dem Marktplatz der Stadt stehen sie beide in Sichtweite. Wobei das Denkmal Luthers zuerst da war – 1821 enthüllt –, das von Melanchthon wurde 1865 eingeweiht. Luther und Melanchthon waren Teamplayer, sie spielten sich die Bälle zu:

3. Schaut mal:
Luther hält seine Übersetzung der Heiligen Schrift in Händen, sein Blick geht geradeaus, sein Mund wirkt etwas verkniffen. Melanchthon wurde vierzig Jahre später viel freundlicher dargestellt.
Er hält die Schriftrolle des Augsburger Bekenntnisses in Händen, sein Blick geht zum Himmel, ein Lächeln spielt um seine Lippen. Es ist müßig, darüber nachzudenken, warum Johann Gottfried Schadow Luther so streng und Friedrich Drake Melanchthon so heiter dargestellt haben – vielleicht spiegelt sich darin der unterschiedliche Charakter der beiden Reformatoren wider:
Der eher zu als Stürmer zu bezeichnende Martin Luther und der eher auf Ausgleich mit den Katholiken bedachte Melanchthon, eher der Verteidiger und Linksaußen.

Philipp Melanchthon wurde als Philipp Schwarzerde 1497 geboren, war also 14 Jahre jünger als Martin Luther. Ihm wurde von seinem Lehrer Johannes Reuchlin nach humanistischer Gepflogenheit der griechische Name Melanchthon zugesprochen. Er kam erst nach Beginn der Reformation im August 1518 nach Wittenberg. Der vom Humanismus geprägte Gelehrte wandte dessen Prinzipien auf die reformatorische Theologie an: Das Bekenntnis zum Evangelium erforderte nach seiner Ansicht gründliches und sorgfältiges Studium der Quellen. Ohne entsprechende Bildung, ohne Kenntnis der alten Sprachen und antiken Schriften könne die Schrift nur oberflächlich verstanden werden. Durch Melanchthon wurde die Reformation eine Bildungsbewegung.

Philipp Melanchthon gründete Schulen, kümmerte sich um die Ausbildung der Lehrer und schrieb Lehrbücher. Nicht wenige von diesen Lehrbüchern wurden auch an katholischen Schulen verwendet, nachdem man den Namen des Autors geschwärzt hatte.

Melanchthons Kompromissbereitschaft, die besonders bei der Abfassung des Augsburger Bekenntnisses zutage trat, brachte ihm auch Kritik ein: Vielen erschien der sanftere der beiden großen Wittenberger Theologen nicht „protestantisch“ genug, obwohl viele seiner Formulierungen maßgeblich evangelische Positionen markieren. Und so sind diese beiden Reformatoren auch nur als Einheit zu haben. Luther sah das selbst genauso. Er anerkannte gegenüber dem Kurfürsten das von Melanchthon 1530 entworfene Augsburger Bekenntnis, die bis heute maßgebende evangelische Programmschrift: „Ich weiß daran nichts zu ändern und zu bessern und würde sich auch nicht schicken, denn ich nicht so sanft und leisetreten kann als Meister Philipp.“

4. Die Reformation war Teamwork – und das sollte uns bis heute zu denken geben.
Bei allen Reformbestrebungen und trotz aller Meinungs- und vielleicht auch Mentalitätsunterschiede - große Ziele sind auch heute nur gemeinsam zu erreichen. Das schließt Streit und Konflikte nicht aus - die Reformation und immer wieder notwendige Reformen waren und sind meistens eine streitbare Angelegenheit – doch darf das Gemeinsame, das Verbindende, das doch immer überwiegt, nicht aus dem Blick geraten. Nicht innerhalb einer Konfession und auch nicht zwischen den Konfessionen. 

5. Uns ist dem 500 Jahre Refomationsjubiläum der Ball zu gespielt worden. Heute ist nicht mehr der Papst und die kath. Kirche unser Gegner. Gegen wen spielen wir heute? Gegen Mainstreaming, gegen Meinungs-Diktatur der Regierenden, gegen Islam-Toleranz, gegen Intoleranz gegenüber patriotisch denkenden Menschen des eigenen Volkes, und mit dem Beschluss "Ehe für alle“ – haben die Befürworter ein Eigentor geschlossen, denn das Bundesverfassungsgericht wird den Beschluss kippen. Unsere Evangelische Mannschaft soll nicht angepasst vorgegebene politischen Meinungen nachlaufen, sondern sich daran erinnern: Wir waren und sind Protestanten, darum Mut zur Wahrheit!

Wichtig ist es zu sagen: Es ist ein Spiel – auch wenn viel auf dem Spiel steht. Der Meinungsaustausch und der Streit um Argumente und Ansichten muss fair nach allen Seiten gespielt werden. (fm)

 

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Gottes Vorsatz fürs neue Jahr

Es gibt sie noch: Vorsätze fürs neue Jahr, oft „gute“ Vorsätze genannt. Eine Zeitung listet auf, was sich vor allem Arbeitnehmer für dieses Jahr vornehmen:
ein Drittel (34 %) sagt, dass sie am Feierabend wirklich Feierabend haben wollen. Keine Telefonate mehr für den Beruf, keine Mails, an Wochenenden keine Arbeit mit nach Hause nehmen.
Ebenso viele (33 %) haben sich vorgenommen, die Arbeit „lockerer zu sehen“. Etwas weniger (18 %) geben an, sich besser fortbilden oder um mehr Gehalt bitten zu wollen (15 %).

Ein Vor-Satz ist etwas, was man sich vor-sagt und vornimmt. Ob man es ausführt, ist eine andere Sache, die man nach Wochen oder Monaten überprüfen kann – falls man sich dann noch daran erinnert, was man sich vorgenommen hatte. Einen Vor-satz kann man sich selbst geben; man kann ihn sich aber auch geben lassen und annehmen. Zu den Vorsätzen, die man sich geben lässt, gehört die Jahreslosung der Kirche. Sie ist wie ein Geländer für unbekannte Zeiten, die nun folgen. Der „Vor-Satz“ Gottes für das Jahr 2017 steht beim Propheten Hesekiel (36,26) im Ersten Testament unserer Bibel. Christen nennen es oft das Alte Testament. Es ist aber weder alt noch überholt, es ist frisch und lebenstauglich. Der Prophet sagt im Namen Gottes:

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Das ist ein schöner Vor-Satz; ein Satz also, der vor allem steht, was ich bald wieder anpacke, neu anpacken muss oder verändern will. Gott schenkt ein neues Herz und legt einen neuen Geist in uns. Damit sollte es sich leben lassen. Vor allem, wenn man beide Vorsätze miteinander verbindet. Den Vorsatz, den Gott gibt – und den oder die Vorsätze, die wir uns selber geben. Wer sich etwas vornimmt, braucht manchmal eine Art neues Herz und einen neuen Geist. Trotz aller Vorsätze bleiben wir ja zunächst einmal die alten. Man wird noch nicht neu, nur weil man Neues vorhat. Da hilft Gottes Vorsatz. Er ist ein Versprechen. Seinem neuen Geist kann ich trauen. Ich muss nicht der alte bleiben. Mein Vorsatz nach einem menschlichen Leben bekommt seine Unterstützung. Wer mehr zu sich finden will, achtsamer werden und weniger Arbeitsmensch sein will, kann das mit Gottes Hilfe.

Ich muss nicht allein den eigenen Kräften vertrauen. Gottes neuer Geist macht meine Fürsorge möglich – zu mir und anderen. Große Hilfe sind oft kleine Worte, Gebetsworte. Bitte, Gott, kann ich mir, so oft ich will, leise vorsagen: Bitte, Gott, hilf mir mit deinem Geist. Und wenn ich wieder der alte werde, gib mir bitte ein Zeichen, dein Zeichen. Damit ich menschlich werden kann, zu mir  komme, achtsam werde; mir und anderen zur Freude. Lege deinen Geist in mich, Gott, das bitte ich.

Und Herz und Geist werden neu. Weiter ein frohes und gesegnetes Jahr 2017.

 

In Erwartung einer fröhlichen Auferstehung - mit der Gabel in der Hand - Predigt zum Ewigkeitssonntag

Heute werden im ganzen Land Gottesdienste gefeiert, in denen die Namen der Verstorbenen vorgelesen wurden. Der Verstorbenen eines Jahres, die nun nicht mehr zu unserem Leben gehören. In vielen Gemeinden sind Kerzen angezündet worden – für jede Tote, für jeden Toten eine. Die Angehörigen können diese Kerze dann mit nach Hause nehmen. Noch einmal leuchtet also ein Licht für die Toten. Noch einmal, ein letztes Mal, wird ihr Name in der Kirche genannt. Dann überlassen wir sie endgültig der Totenruhe und der Ewigkeit. 

In der Kirche des Klosters Loccum steht ein alter Grabstein. Darauf ist in der Mitte zu lesen, dass Johann Jäger, Meister des Maurer- und Steinhauerhandwerks, 1691 in Gera geboren wurde, fast drei Jahrzehnte im Kloster gedient hat und im Alter von 63 Jahren „in Christo allhier in Loccum selig entschlafen“ ist. Unter diesen Lebensdaten findet sich folgender Spruch:

Nun Sterblicher betrachte mich:
Du lebst – ich lebt‘ auf Erden.
Was du jetzt bist – das war auch ich;
was ich bin – wirst du werden.
Du musst hernach – ich bin vorhin,
gedenke nicht in deinem Sinn,
dass du nicht dürftest sterben.

Der verstorbene Johann Jäger spricht mit dem Betrachter seines Grabsteines. Er erinnert die Lebenden an ihre Endlichkeit. Er erinnert daran, dass die Toten einst lebten, nun aber vorangegangen sind auf die andere Seite des Lebens; und er erinnert daran, dass es kein Vertun gibt: Auch du, der du diesen Stein betrachtest und dich lebendig fühlst, wirst sterben. 

In der Bibel heißt es: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Psalm 90,12).
Die Grabinschrift scheint mir eine Ausführung dieses Bibelverses zu sein. Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde.

Aber was heißt das eigentlich?  Zu bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde? Rätselhaft ist mir dieser Satz.  Nicht fertig bin ich mit ihm. Heute, in diesem Abschnitt meines Lebens,
will ich ihn so verstehen:  Ich will in dieser Woche leben,  als wäre es die letzte Woche meines Lebens. Ich will in dieser Woche einem Menschen, den ich liebe, so begegnen, als sähe ich ihn zum letzten Mal. Ich will in dieser Woche durch den Wald gehen und das Laub fühlen, als gäbe es nie mehr einen Herbst für mich. Ich will wenigstens beginnen, ein Buch so zu lesen, als würde es danach keines mehr geben für mich. Ich will noch einmal einen guten Wein öffnen und ihn trinken, als wäre es das letzte Glas in meinem Leben. Ich will noch einmal Musik hören, die mich begleitet, noch einmal etwas Wunderbares kochen, noch einmal den Regen auf meiner Haut spüren und mich an den zaghaften Strahlen der Sonne freuen. Noch einmal möchte ich herzlich lachen – als wäre es das letzte Mal in meinem Leben.

Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde.

Nun Sterblicher betrachte mich:
Du lebst – ich lebt‘ auf Erden.
Was du jetzt bist – das war auch ich;
was ich bin – wirst du werden.

 Heute werden die Namen der Toten in den Gottesdiensten vorgelesen. Irgendwann einmal wird auch mein Name dabei sein. Irgendwann werde auch ich den Lebenden vorausgegangen sein auf die andere Seite des Lebens und meine Gebeine werden ruhen. Dann aber will ich in der Hoffnung begraben sein, die Johann Jäger ganz oben auf seinen Grabstein hat meißeln lassen – noch über seinem Namen steht groß geschrieben:

Hier ruht in Erwartung einer fröhlichen Auferstehung.

Angesichts des Todes und der Toten, angesichts der eigenen Endlichkeit will ich doch die Hoffnung nicht aufgeben: die Hoffnung auf Auferstehung; eine fröhliche Auferstehung. 

Die Geschichte vom alten Seebären
Ein alter Seemann, der sich zur Ruhe gesetzt hatte, ging zu seinem Pfarrer, um mit ihm die letzten Dinge zu besprechen. Den Text zur Trauerfeier, die Lieder, die gesungen  werden sollten, seinen Lebenslauf… „Um noch eins, Herr Pfarrer, bitte ich Sie, ich möchte mit einer Gabel in der Hand beerdigt werden!“ Der Pfarrer schaute ihn fragend an: „Mit einer Gabel in der Hand?“
„Ja, Herr, Pfarrer, Sie müssen wissen, als ich zu See fuhr, gab es meist immer nur einfaches Essen, jeden Tag das gleiche. Aber einmal sagte der Koch zu uns Männer: Behaltet die Gabeln, das Beste kommt noch.“

 

Predigt auf dem Sportplatz, 3.Juli 2016
Gott im Abseits?
Fußball taugt nicht als Ersatzreligion 
Die Fußball-Europameister­schaft in Frankreich Ist jetzt in der heiße Phase, da gilt kein taktieren mit Punkten und Toren. Gewinnen oder verlieren – und sei es 120 min. Und mit 18 11m Schüssen,
am Ende gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore geschossen hat.

Zuschauermassen wollen in die Stadien und auf die Fanmeilen dabei sein. Wer kommt weiter? Alles dreht sich um das Spektakel auf dem „heiligen Rasen“, Spieler werden verehrt wie Heilige.
Kann man Parallelen zwischen Fußball und Religion ziehen? Was hat Glaube und Fußball mit einander zu tun? Schauen wir mal genauer hin: Fans falten die Hände, blicken nach oben in den Himmel    „möge der Elfmeter doch im gegne­rischen Tor versenkt werden oder der Schuß auf eigene Tor vorbeigehen.“ Wieviele stille Gebete sind gestern Abend gesprochen worden! Stoßgebete für den Sieg der eigenen Mannschaft. Spieler, die eingewechselt werden, bekreuzigen sich… religiös anmutende Rituale und reihenweise Fußballgötter. Ist für Fußballfans das Stadion die wahre Kirche?

Nein, das Stadion ist nicht die wahre Kirche, tatsächlich soll­ten wir die Kirche im Dorf lassen. Und ernsthaft: Auch den Fußball­gott, zuweilen wird er in Reportagen erwähnt, den gibt es so nicht.
Solche Begriffe werden dann genutzt, wenn man Din­ge auf dem Rasen nicht erklären kann – aber bitte immer mit Au­genzwinkern.

In der Kirche geht es auch nicht immer ruhig und »gesittet« zu. Wenn wir einige Bilder von Deutschen Evangelischen Kirchentagen ­sehen, wie junge Menschen ihren Glauben feiern. Da waren große Emotionen im Spiel. Warum auch nicht! Können wir Brü­cken zwischen Glauben und Fuß­ball schlagen? Paulus benutzt auch Beispiele aus dem Sport für den Glauben. „Lauft so, dass ihr den Siegespreis gewinnt!“

Wenn wir merken, Menschen neh­men den Sport, speziell den Fuß­ball, zu ernst, dann ist das eher eine religiöse Überhöhung, Dann wird Fußball zum einzigen Lebens­sinn und Lebenszweck.
Es gibt ein Leben nach dem Fußball. Das Kindliche, das Spielerische, die schönste Nebensache der Welt sozusagen, soll nicht verloren gehen. Und ein Spiel bleibt ein Spiel!

Der Glau­ben und der Sport wie gehören sie zusammen? Dort gehen Emotionen stark nach außen, die Fans toben laut, sie grölen und jubeln. Der Glaube geht tiefer. Die Seele, unser Herz sit­zt ja tief in uns. Auch sollen wir Mut haben unseren Glauben emotional auszudrücken…

Wenn Spitzen­sportler ihre Kraft aus dem Glau­ben holen - sie wollen immerhin Spitzenleistungen erzielen – Das finde ich großartig. Marcel Reif berichtet, als er zusammen mit Freund Bela Rethy beim ZDF gear­beitet hatte, hat sich Folgendes zu­getragen. Bela wollte nach einem Fußballspiel den Brasilianer Georginio, der für Bayer 04 Leverku­sen spielte, ins Sportstudio einla­den. Georginio antwortete darauf: »Du Bela, heute kann ich nicht, habe Bibelstunde mit Heiko Herr­lich.« Herrlich, ein sehr gläubiger Mensch, spielte damals ebenfalls in Leverkusen

Marcel Reif sagt von sich: „Ich beziehe Kraft und Stärke aus mei­nem Inneren. Ob ich in einigen Fällen bete und, wenn ja, wohin, kann ich nicht genau sagen. Aber dass es in mir Dinge gibt, aus de­nen ich Stärke beziehe, halte ich für selbstverständlich. Das ist et­was, was über den ganzen Radau im Stadion weit hinausgeht.“ 
Im Sport gehört auch die Heldenver­ehrung bis zu einem ge­wissen Ausmaß dazu, das macht den Zirkus aus, sonst funktioniert er nicht. Verehrung bis zum Idol, von mir aus. Ein Sportler kann jedoch nicht Gott gleich sein, bitte, das ist dann doch zu viel. Wahrscheinlich hat sich beispiels­weise Diego Maradona mit sei­ner »Hand Gottes« im Ausdruck vergriffen. Hat er das zur Fußball-Weltmeisterschaft 1986 nach dem Spiel England gegen Argentinien tatsächlich so gemeint? Sprichwörtlich ist die „Hand Gottes“ aber geworden.

Es gibt noch eine andere Ge­schichte über Zlatan Ibrahimovic,einen brillanten schwedisch­-bosnischen Fußballer, der auch zur Selbstironie fähig ist. Als Ibrahimovic im Sommer 2012 zu Pa­ris Saint Germain wechselte, ging er zu seinem Trainer Carlo Ancelotti (jetzt in München) und frag­te: »Trainer, glauben Sie an Gott?« Ancelotti bejahte, worauf Ibrahimovic meinte: »Er steht vor Ih­nen.« Solange wir über solche Ge­schichten schmunzeln können, ist alles gut. Was darüber hinaus­geht, ist zu viel.

Was für einen großen Gott und Herrn haben wir! Er schenkt uns Freude am Spiel und kämpfen. Leben will gelebt werden! In all seinen Fassetten. Wer spielt, bei dem entkrampfen sich die Probleme, und Sport und Spiel ist einen gute Stressbewältigung. Es tut jedem gut, aktiv oder passiv. Dabei sein, ob auf dem Platz oder auf der Tribüne – Darauf kommt es an!

 

Der Herr des Himmels und der Erde - Himmelfahrtsgottesdienst mit Bild-Betrachtung -
Dialogpredigt Pfarrer Jens Porep, Friedenskirche / Pfarrer Friedhelm Müller, Elpersdorf.

Bildrechte: beim Autor

Das war schon eine Sensation, als vor wenigen Jahren diese Himmelsscheibe entdeckt worden ist. Zufällig stießen im Sommer 1999 zwei Männer im Wald in der Nähe von Nebra in Sachsen-Anhalt auf diese Scheibe, sie hielten ihren Fund zunächst für einen alten Eimerdeckel. Es war ein echter Krimi, die beiden wollten die Scheibe in der Schweiz verkaufen… Doch der Fund entpuppte sich als eine mit Goldauflagen versehene Scheibe aus der Bronzezeit, mehr als 3.600 Jahre alt. Entstanden ist die ungefähr 32 cm große Scheibe in Mitteleuropa und ist die älteste konkrete Darstellung des Himmels. Was auf der Scheibe dargestellt ist, kann jeder auf den ersten Blick sagen: Sonne, Mond und Sterne, ein freundliches Himmelsbild. Doch die Forscher haben in den vergangenen zwölf Jahren viele interessante Einzelheiten zur Erklärung der Scheibe gefunden. Interessant ist vor allem, dass die Scheibe mehrfach bearbeitet wurde. Ursprünglich waren auf ihr nur  die Sterne, der große Kreis und die Mondsichel zu sehen. Während die meisten Sterne gleichmäßig über die Scheibe verteilt sind, stehen sieben auffällig eng zusammen: Alles spricht dafür, dass es sich um das Siebengestirn im Sternbild Stier handelt. In alter Zeit waren es wichtige Termine im bäuerlichen Jahr, wenn im Frühling und Herbst das Siebengestirn in der Nähe von Mondsichel und Vollmond zu sehen war. Später wurden am linken und rechten Rand goldene Bögen hinzugefügt, der linke ist verloren gegangen. Diese Bögen konnten in Zusammenhang mit der Sommer- und Wintersonnenwende dazu dienen, die Scheibe als Kalender zu benutzen. Noch später wurde dann der goldene Bogen im unteren Bereich der Scheibe eingefügt. Wahrscheinlich soll ein Schiff dargestellt werden, das die Sonne von Horizont zu Horizont trägt. Der große Kreis wurde nun wohl als Sonne verstanden, und die Scheibe bekam kultische Bedeutung. Vom Leben der Menschen vor 3.600 Jahren wissen wir sehr wenig. Doch die Scheibe von Nebra kann dazu helfen, dass wir einiges erahnen können. Wie wir heute konnten die Menschen Nacht für Nacht den Sternenhimmel sehen. Und wie wir den bestirnten Himmel mit Bewunderung und Ehrfurcht betrachten können, so entdeckten die Menschen damals die Ordnung der Welt im Himmel. Sonne, Mond und Sterne waren wichtig zur Einteilung der Zeit, für Saat und Ernte. Doch sie hatten nicht nur praktischen Nutzen, anscheinend sah man in den Gestirnen des Himmels auch Mächte am Werk, die man kultisch verehrte. Auch heute gibt es viele Menschen, die ihr Leben in Abhängigkeit von den Kräften des Kosmos sehen. Mondkalender und Horoskope sollen vielen Orientierung im Leben geben. Doch in unserer jüdisch-christlichen Tradition haben wir eine andere Sicht vom Himmel. Ganz am Anfang der Bibel, in der Schöpfungsgeschichte heißt es: Genesis 1,14-18 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahreund seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war. Es ist schon interessant: Auch in der Schöpfungsgeschichte heißt es, dass Sonne, Mond und Sterne dazu dienen, die verschiedenen Tages- und Jahreszeiten zu ordnen. Doch die Gestirne selbst haben keine Macht, sie sind nur wie von Gott an den Himmel gehängte Lampen. Sonne, Mond und Sterne verdienen keine kultische Verehrung, sie sind selbst Teil der Schöpfung Gottes. Wie die Menschen in der Bronzezeit können wir staunen über den gestirnten Himmel über uns und seine Ordnung. Doch der Blick in den Himmel verweist uns auf den, der noch größer ist als alle Himmel: auf Gott selbst. Wer dieser Gott ist, größer als der Himmel mit seinen Gestirnen – darum geht es heute. Christi Himmelfahrt feiern wir heute. Himmelfahrt, das heißt nicht: Jesus ist nun irgendwo zwischen der Mondsichel und dem Siebengestirn, irgendwo in den Weiten des Sternenhimmels. Himmelfahrt, das heißt: Christus ist bei Gott, höher als der Himmel. So wie wir es in dem alten Himmelfahrtslied heißt: „Jesus Christus herrscht als König“ gesungen haben:  „Gleicher Macht und gleicher Ehren sitzt er unter lichten Chören über allen Cherubim; in der Welt und Himmel Enden hat er alles in den  Händen, denn der Vater gab es ihm.“ (EG 123,4) Das ist die aufregende Aussage von Jesu Himmelfahrt: Der, der alles in Händen hat, der Herr von Himmel und Erde, das ist kein anderer als der, den wir als Gott mitten unter uns kennengelernt haben: Jesus Christus. Seine Liebe zu den Menschen hat kein Ende; wie er auf der Erde Menschen zu einem guten Leben geholfen hat, so sind Himmel und Erde in seiner Liebe gehalten. So wie es Martin Luther in einer Predigt zu Himmelfahrt gesagt hat: „Darum hüt´ dich ja zu denken, er sei nun weit von uns! Im Gegenteil: Als er auf Erden war, war er uns zu fern, jetzt ist er uns nah.“ Die Menschen, die vor Jahrtausenden die Himmelsscheibe in der Hand hielten, wussten ihr Leben in einer himmlischen Ordnung gehalten.  Uns kann das Bild daran erinnern: So wie Himmel und Erde sind auch mein und dein Leben gehalten in Gottes Liebe. Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, gibt uns die Orientierung, die wir brauchen; er ist uns nahe in seiner Liebe. Amen.

 

"Räum mal dein Zimmer auf!" - mit Konfirmanden Versöhnung feiern

„Räum mal dein Zimmer auf!", so hat vielleicht die Mutter zu euch gesagt, weil die Verwandten kommen, es soll alles aufgeräumt sein.
„Räum mal dein Leben auf! Nimm dir Zeit über dein Leben nachzudenken. Halte Inventur! Sortiere deine Erfahrungen, deine Gedanken und Gefühle.“
Stelle dir mal eine Frage: Was will ich aufheben? Was ist mir wichtig und wertvoll? Was möchte ich nicht vergessen?
Was muss ich in meinem Leben entsorgen? Würde ich etwas (wenn es ginge) ungeschehen machen?
Oder, was will ich beim nächsten Mal anders machen? Wo brauchst du jemanden, der zu dir sagt: „Ich vergebe dir! Es ist alles gut!"?
Du brauchst Menschen, die dir sagen und es dir zeigen:
„Schön, dass du da bist - dass es dich gibt! Du hast super Ideen. Dein Leben ist wertvoll - mach was daraus!"

 
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Denkt an Jesus und den Sohn, von dem er eine Geschichte erzählt hat: Der Sohn, der wieder nach Hause findet.
Denkt an den Vater, der auf seinen Sohn wartet. Denkt an das Fest, dass nicht enden wird!
Diese Geschichte kennt ihr, sie geht gut aus. Eine Geschichte, in der jeder vorkommt.
Du bist auf der Suche nach Glück, nach Erfolg und Liebe.
Du wirst deine Wege gehen, Du wirst Erfahrungen machen, schöne Erfahrungen, aber auch nicht immer gute Erfahrungen.

 
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Im entscheidenden Moment erinnere dich – an zu Hause – und bei wem du auch zu Hause bist
– bei Gott, der ein guter Vater ist und uns tröstet, wie es ein Mutter tut.

 

Karfreitag
„Da musste sogar die Mutter weinen.“ Reaktion eines Kindes nach der Betrachtung eines Kreuzweges. Irgendetwas war so schlimm, dass sogar die Mutter weinen musste. Was sich dem Kind so nachdrücklich eingeprägt hatte, war das Bild Marias mit dem toten Sohn auf dem Schoß. Und es drückt damit aus, was wir alle empfinden. Wenn eine Mutter (oder auch ein Vater) ihr Kind beweinen muss, stimmt irgendetwas nicht. Dann ist die Ordnung auf den Kopf gestellt. Dass Kinder den Tod ihrer Eltern beweinen, entspricht dem Lebenslauf. Doch wenn Eltern ihr Kind beweinen, dann hält sich der Tod nicht an die Regeln, tritt zur Unzeit ein, lässt uns fassungslos zurück. In Schmerz und Trauer erstarrt, hart geworden wie ein Stein, fassungslos – so lässt der Tod Eltern zurück, die um ihr Kind trauern. Ich erinnere mich an Kindergräber, die noch dreißig und vierzig Jahre nach dem Tod des Kindes liebevoll gepflegt, mit Blumen geschmückt sind, als ließe das Grauen nicht nach, als habe der Tod die Trauernden immer noch in seiner Gewalt. Keine Spur von „Loslassen“, weil es wie Verrat erscheint, als Fallen-Lassen empfunden wird. Oder können diese Gräber auch eine andere  Sprache sprechen? 

 
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Die Pietà auf dem Bild drückt trotz aller Trauer etwas Leichtes aus; es nimmt seinen Ursprung von der Geste Marias. Sie lässt los, sie klammert sich nicht krampfhaft an den toten Sohn. Man mag einwenden, Maria willige in das Unvermeidliche ein, ihre Geste sei Ausdruck der Resignation. Doch ich empfinde es anders. In meinen Augen öffnet sich Maria, bietet sich selbst und ihren toten Sohn Gott an, lässt los, im Vertrauen auf Ihn, der Halt schenkt. Die Bibel kennt für dieses Verhalten ein wunderschönes Wort. Sie spricht von „Hingabe“. Ein altes Wort, das vielen nichts mehr sagt, manchen auch zu pathetisch ist. Die Bibel kennt dieses Pathos nicht. In ihr ist „Hingabe“ die Antwort der Menschen auf Situationen, in denen ihnen Gott rätselhaft, ja, verborgen oder gar grausam erscheint. Situationen, die wir auch kennen: In denen wir Gott anklagend nach dem „Warum“ fragen und ohne Antwort bleiben. Ich wünsche mir, dass ich, wenn ich solche Erfahrungen machen muss, aushalten kann und „darunterbleibe“  – das biblische Wort für Geduld. Dass ich darauf vertrauen kann, dass in allem Geschehen Gottes wirkende Liebe schon da ist. Geduldig sein und warten können – oder, um es mit Simone Weil zu sagen: „… mit Geduld die Geduld Gottes erschöpfen …“
Ich glaube, wenn ich so auf Gott warten könnte, dann würde ich auch nicht ohne Antwort von ihm bleiben; wenn ich mich selbst so loslassen könnte, würde ich nicht ohne Halt bleiben. Das ist meine Hoffnung. Amen.

 

21. Februar - Reminiszere - erinnere dich!

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Wir Menschen neigen dazu, vergesslich zu werden. Alles kann man ja auch nicht behalten und sich daran erinnern.
Obwohl wir Menschen alles, was wir sehen und erleben wahrnehmen, in unserem Gehirn speichern, sortieren wir es sofort aus.
Das Wichtige und das Unwichtige. Und rückblickend erinnern wir uns eher an das, was schön war, und weniger an das, was mit Schmerzen verbunden war.
Nur ganz schlimme Sachen können zu einem Trauma werden, dass uns zeitlebens belastet.

Wenn wir mit Freunden oder in der Familie zusammen sitzen, dann sagen wir: weißt du noch? Erinnere dich doch, du warst doch dabei! Ah ja, stimmt, so war das!
Der heutige Sonntag hat seinen Namen nach dem Beginn des Wochenpsalm: Gedenke, „reminiszere“, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte (Psalm 25,6).
Warum fordern wir Gott auf sich zu erinnern? Ist Gott vergesslich? Hat Gott Alzheimer?

„Gedenke Herr an deine Barmherzigkeit“ … Das klingt so, als ob Gott nicht mehr barmherzig ist, und wir ihn daran erinnern: …

Wenn es uns nicht so gut geht, wenn wir vielleicht krank sind, oder wenn wir traurig sind, dann sehnen wir uns danach wieder lachen zu können,
uns wieder zu freuen. Wenn wir uns dann an bessere Zeiten erinnern, in denen es uns besser ging, dann werden wir eher noch trauriger und sagen:
„Ach ja damals ging es mit so gut… Und jetzt?“

Dann haben wir das Gefühl – von Gott und aller Welt verlassen zu sein, und niemand kann uns helfen. Wir drücken unser Gefühl mit diesem Gebet so aus:
„Lasst mich nicht allein! Vergesst mich nicht! Denkt an mich! Kommt mich besuchen! Helft mir doch!“

Wenn wir beten: „Gedenke Herr an deine Barmherzigkeit“ Dann ist es wie eine Selbstaufforderung: So wie es im Psalm 103 heißt:
„Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht was er dir Gutes getan hat….“ Manchmal müssen wir durch Klagen und Jammern hindurch,
wenn es uns nicht gut geht, aber wir brauchen nicht darin stecken zu bleiben.

„Gedenke Herr an deine Barmherzigkeit“ heißt dann. Überlege, wann du Gottes Gnade erfahren hast! Vergiß nicht, wo du erlebt hast, dass Gott dir nahe war.“

 

14.Februar - Valentinstag - der Tag der Verliebten, dazu eine Gedanken:

Reinhard Mey singt:
Ich wollte dir ein Liebeslied schreiben,
Eines, das nur von dir erzählt, …
Doch ist‘s gar nicht so einfach, es einfach zu sagen,
mir fehlen ganz einfach die Worte dazu.

Ich finde es auch sehr, sehr schwer, das Wort „Liebe“ in den Mund zu nehmen, weil, ja weil es alle tun und zu wissen meinen, was das Wort meint.
Das Lied schließt dann ja auch folgerichtig:

Hab‘ Lieder von weltbewegenden Dingen,
nur, das, was mir am nächsten liegt,
ganz einfach: „Ich liebe dich“ zu singen,
das hab‘ ich bis heut‘ noch nicht fertiggekriegt.

Wenn wir genau hinhören oder hinschauen, sagt auch der schöne Predigttext, das Gedicht aus 1. Korinther 13 nicht, was Liebe ist.
Es sagt höchstens, wie sich Liebe auswirkt, aber es definiert die Liebe nicht und steckt sie auch nicht in ein Gefängnis der Gefühle.
Von Gefühlen ist eigentlich gar nicht die Rede. In 15 Verben wird die Liebe beschrieben – kein Zustand also, nichts, was einfach da ist.
Sondern Liebe ist Bewegung. Bewegung auf etwas, auf jemanden zu. Den Menschen, die das zum ersten Mal gehört haben,
die Gemeinde von Korinth, muss das in den Ohren gedröhnt haben, denn sie waren ja so stolz auf ihre geistlichen und geistigen Fähigkeiten:
das prophetische Reden, das Zungenreden, die Erkenntnis von klugen Zusammenhängen. Paulus putzt sie mit einem Federstrich vom Tisch. Wertlos.
Das, worauf wir uns etwas einbilden könnten, was wir erforscht und erklärt haben, was wir durchdringen und zu wissen glauben – wertlos.
Erst einmal. Das Ganze macht nur Sinn, wird wertvoll, wenn die Liebe dazukommt. Und dann geht das Ganze von vorne los:
Die Frage, was denn Liebe ist. Die deutsche Sprache ist da sehr einfach – wie die hebräische Bibel auch. Wir kennen nur das eine Wort: „Liebe“ eben.
Die Bibel in griechischer Sprache kennt drei verschiedene Worte, die Liebe ausdrücken: „eros“, „agape“ und „philia“. Eros kennen wir von dem Begriff der Erotik,
die die körperliche Anziehung meint – und nichts mit unserem Begriff von Liebe zu tun haben muss. Philia wird oft als Ausdruck für zwischenmenschliche Liebe benutzt,
kann aber auch die Liebe zwischen Gott, dem Vater, und seinem Sohn Jesus Christus beschreiben. Das Wort Agape schließlich meint Gottes reine Liebe:
Agape ist eine bedingungslose, einseitige, befreiende und auf andere gerichtete Liebe. Agape bedeutet nicht jene Art der Liebe,
die im deutschen Sprachgebrauch üblicherweise mit dem Begriff „Liebe“ verbunden wird, sondern vielmehr eine spirituelle und metaphysische Verbindung; so lese ich es im Lexikon.

Nun ist das Lexikon vielleicht auch nicht der richtige Ratgeber in Sachen „Liebe“, aber sicher doch eine Hilfe, wie ich das Liebesgedicht in 1. Korinther 13 lesen kann.
Hier haben wir es mit „agape“ zu tun, 7-mal ausgeschrieben, 11-mal bezieht sie sich darauf. Wir haben es also mit einer bedingungslosen, einseitigen, befreienden Liebe zu tun.
Wenn wir das so hören und wissen, ist es auch nicht mehr so einfach, diesen Text vollmundig bei einer Trauung vorzulesen. Dann ist er doch eher wie ein Gegentext zu einer selbstbewussten, partnerschaftlichen, freiheitlichen Liebe, wie sie uns in einer Ehe vorschwebt. Was ist das denn für eine Liebe, die so langmütig ist, so freundlich, sich nicht ereifert, nicht Mutwillen treibt usw.?

„Gott ist ein glühender Backofen voll Liebe“, so hat es Martin Luther einmal gesagt in seiner Invokavit-Predigt am 15. März 1515. Vor 500 Jahren also.
In diesem Liebesbackofen ist kein Platz für all die Dinge, die uns so schnell von der Hand gehen und aus dem Mund fallen: Uns aufzublähen, das Unsere zu suchen, uns verbittern zu lassen,
das Böse aufzuzählen, rachsüchtig zu sein und was es an Lastern noch alles gibt und was uns ständig umgibt. In diesen glühenden Backofen voller Liebe passt alles hinein,
was gut und schön ist und die Erde in ein Paradies verwandeln würde. Würde, den es ist ja nicht mehr da, die Tür ist verschlossen, das Paradies verloren – aber der Ofen ist immer noch an,
er brennt noch, brennt vor Liebe zu uns. In Jesus Christus haben wir Einblick nehmen dürfen, wie es in Gott aussieht. Wie glühend diese Flamme der Liebe ist. Seine Zuwendung zu uns Menschen,
sein Weg bis zum Ende, der ein Weg war, den er für uns gegangen ist als Zeichen äußerster Zuwendung, will Zeichen dieser Liebe sein – das Zeichen des Kreuzes. Komme, was wolle, wir können dieser Liebe nicht verlustig gehen. Wir können uns nur von ihr entfernen und in der Folge die Wärme des Ofens nicht mehr spüren und in der Kälte bleiben, erfrieren.
Wir können uns allerdings auch verbrennen, wenn wir sie missbrauchen – und Liebe kann missbraucht werden in Namen des Hasses, der Gewalt und der Zerstörung.

Aber die wahre Liebe bleibt. Sie merken, von der Liebe kann man nur in Bildern sprechen – oder von Menschen erzählen, eigentlich nur von einem, der die Liebe widerspiegelt: Jesus Christus.
In einem Badezimmerspiegel sehen wir uns nur immer selbst mit all unseren dunklen Seiten, im Spiegel der Liebe Gottes sind wir das, was Gott in uns sieht, wie er uns ansieht.
Wobei man sich ja jetzt die Frage stellen muss, ob Gott blind ist oder so schwach, dass er unsere Schwächen nicht sehen will oder kann; oder ob er ein greiser, wehrloser Mann ist,
mit dem man alles machen kann – mit dem wir alles machen können: Er sieht nichts, er hört nichts, er sagt nichts dazu … aber vergibt alles – aus Liebe. Aus Liebe?
Billige Gnade hat Dietrich Bonhoeffer das genannt. Der liebe Gott, der Gott der Liebe ist aber alles andere als wehrlos; er schlägt uns mit seinen eigenen Waffen.
Im Namen der Liebe setzt er Zeichen, setzt er uns Grenzen, damit wir uns nicht verbrennen: in den Geboten. Sie setzen ins Verhältnis, was aus den Fugen zu geraten droht:
unser Verhältnis zu ihm, zu uns selbst und zu uns untereinander. Im Zeichen der Liebe verweist er uns in unsere Schranken, weil wir gerne Grenzen überschreiten.
Gerade weil Gottes Liebe grenzenlos ist, muss er unsere kleinen Begrenztheiten aufbrechen. Wie denken wir klein und kleinmütig: in der Flüchtlingsfrage, der Klimaentwicklung, …
und wenn wir versuchen groß zu denken wie beim Freihandelsabkommen TTIP, haben wir nur unseren kleinen Vorteil vor Augen – mit den Augen der Liebe hat das nichts zu tun.
Die Liebe, wie Paulus sie in dem schönen Korinthertext sieht und beschreibt, ist also nicht etwas, was man erlernen kann. Sie ist keine Tugend und keine Fähigkeit,
dessen wir uns rühmen könnten, sondern sie liegt außerhalb unserer selbst. Wenn wir uns gegenseitig Liebesdienste erweisen – was es ja durchaus gibt –, wenn wir ausstrahlen,
was in uns ist, tun wir das nur als Reflektoren. Wir spiegeln wider, was in uns hineingelegt ist, wir sind ein Medium, ein gutes Medium.

Diese Liebe kommt dann ja auch in einem ganz menschlich -weltlichen Kleid daher; und das meint die Liebe, die Paulus nennt, ja auch. Das kommt schon dadurch zum Ausdruck,
Dass nicht ein einziges Mal der Name Gottes oder der Name Jesu Christi oder der Name des Heiligen Geistes im Text des Liebesliedes genannt wird.
Es ist einzig und allein von der Liebe und ihren Geschwistern, dem Glauben und der Hoffnung, die Rede. Aber gerade so kommt Gott auf eine ganz neue Weise zur Sprache als der,
der mitten in der Welt „Liebe“ ist und der Liebe zum Bleiben verhilft. 

Die Liebe ist in der Tat eine Himmelsmacht, sie kommt auf die Erde, wandelt unter uns, zeigt sich von ihrer schönsten Seite – die zugleich die grausamste ist:
im Zeichen des Kreuzes – und lässt uns etwas zurück: Die Fähigkeit, Gottes Liebe widerzuspiegeln. Gott kann sich in uns spiegeln, selbst dann, wenn dieser Spiegel Flecken und abgesprungene Kanten hat. Ich kann einen anderen Menschen nur lieben, wenn ich mich als Geliebte Gottes weiß, sonst bleibt das, was ich für „Liebe“ halte, ein uneindeutiges Gefühl.
Ich kann auch mich selbst nur lieben – was die Voraussetzung jeglicher Liebe ist, wenn ich mich als Geliebte Gottes weiß.
Und ich weiß, dass diese Liebe, die mich Geliebte sein lässt, mich verändert, mich trägt, mich die werden lässt, die ich in Gottes Augen schon bin.

„Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Da sind sie zum Schluss wieder: die Geschwister.
Der Glaube, das Vertrauen auf das, auf den, der mir ewig die Treue hält. Die Hoffnung auf Erlösung von dem, was mich hier gefangen hält.
Ja, aber wer würde jetzt leugnen, dass die Liebe die größte unter ihnen ist?

 

Ewigkeitssonntag

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Jeder von uns hat einen Namen. Manche sogar 2 oder 3 Namen. Ich z. B. heiße „Georg" und wie heißen Sie?
… wie auch immer. Ich kenne schon viele mit Namen in unser Gemeinde. Es ist schön, dass wir einen Namen haben.
Auch wenn es diesen Namen  mehrfach gibt, z.B. haben wir in der Konfigruppe 2 x Lena und 2 mal Jan, ist jeder einmalig!

Und wer uns kennt und mag, sagt unseren Namen zu uns. Jeder hört gern seinen Namen, fühlt sich angesprochen und wahrgenommen.
Und Gott kennt unseren Namen auch, nicht nur unseren Namen, er weiß wer und wie wir sind. Im Wort der Bibel sagt er zu uns:
„Fürchte Dich nicht, ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen. Du bist mein." Jesaja 43, 1
Ein  Bibelwort, das immer gut zur Taufe passt. Bei der Taufe wird unser Namen mit dem Namen Gottes verknüpft.
Ich gehöre zu Gott – und er gehört zu mir, nie bin ich allein. ER ist immer bei mir.

Das Kirchenjahr geht zu Ende. Bald feiern wir wieder Advent und Weihnachten. Und in diesen Tagen denken wir besonders an die Menschen,
die bei uns gelebt haben und die im vergangenen Kirchenjahr gestorben sind. Wir zünden eine Kerze für sie an. Wir nennen ihre Namen.
Auch Gott kennt ihre Namen. Auch Gott denkt an sie. Auch Gott hat sie nicht vergessen. Sie sind bei Gott. Und auch wenn wir sterben:
dann sterben wir hin zu Gott. Gott vergisst auch unseren Namen nicht: Er sagt zu uns: „Du bist mein". Der Satz der Bibel, in dem Gott heute zu uns spricht,beginnt mit den Worten:
„Fürchte Dich nicht..." Dieser Satz kommt in der Bibel oft vor. Vielleicht ist es manchem schon eingefallen: „Fürchtet Euch nicht..."
- so hören wir es auch wieder in der Weihnachtsgeschichte: Die Engel sagen es zu den Hirten: „Fürchtet Euch nicht..: Jesus - der Heiland ist geboren - für Euch".
Jesus - der Heiland ist geboren. Mit seinem ganzen Leben ist er Zeuge dafür: Gott vergisst auch unseren Namen nicht: Heute nicht und morgen nicht und auch nicht,
wenn wir gestorben sind. Zu Gott gehören wir!

Wie schön, dass wir einen Namen haben. Wie wichtig: Gott vergisst uns nicht.

 

Volkstrauertag

 
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Die Überführung eines gefallenen Bundeswehrsoldaten
An Tagen wie diesem, ist es gut, sich nicht nur zu erinnern an die Opfer der großen Kriege des letzten Jahrhunderts.
Es ist auch wichtig, meine ich, sich an die zu erinnern, die irgendwo auf der Welt ihren Dienst im Rahmen der internationalen Verpflichtungen unseres Landes tun.

Afghanistan und Usbekistan
Die Internationale Schutztruppe in Afghanistan unterstützt die afghanische Regierung dabei,
ihre Bevölkerung zu schützen und den Wiederaufbau und die Entwicklung des Landes zu ermöglichen. Unsere Bundeswehr ist dort mit 943 Personen im Einsatz.

Atlanta – Horn von Afrika
Seit 2008 engagiert sich die Bundeswehr vor der Küste Somalias. Im Auftrag des Parlaments bekämpft die Deutsche Marine
die Piraterie am Horn von Afrika und schützt internationale See- und Handelsrouten. 277 deutsche Soldatinnen und Soldaten sind dort eingesetzt.

KFOR – Kosovo
Seit mehr als zehn Jahren hat die Kosovo Force den Auftrag, ein multiethnisches, friedliches, rechtsstaatliches und demokratisches Umfeld
mit aufzubauen und dies militärisch abzusichern. Zurzeit sind 726 Bundeswehrangehörige im Kosovo.

Drei bekannte Beispiele für die zahlreichen Einsätze unserer Bundeswehr im Rahmen der Vereinten Nationen oder der NATO.
Die Bundeswehr ist, wir wissen es, zur Einsatzarmee geworden. Seit 1992 beteiligt sie sich an unterschiedlichen Auslandseinsätzen
und seit 1994 sind bewaffnete Missionen grundsätzlich an Mandate des Deutschen Bundestages gebunden.
Zurzeit tun 2.730 Soldaten und Soldatinnen ihren Dienst bei Einsätzen im Ausland (Stand März 2015.
Die aktuellen Zahlen können auf der Homepage der Bundeswehr eingesehen werden.)

Dabei operieren sie gemeinsam mit Soldaten der Bündnispartner und befreundeter Nationen.

Nicht alle unserer Soldatinnen und Soldaten kommen unversehrt zurück. Seit 1992 starben
104 Bundeswehrangehörige bei Auslandseinsätzen: 37 Soldaten fielen durch Fremdeinwirkung,
67 kamen durch sonstige Umstände ums Leben. Weitere 22 Personen töteten sich während ihres Auslandseinsatzes selbst.
Viele andere, die körperlich gesund zurückkehren, leiden häufig unter den Eindrücken des Krieges
und werden langfristig psychotherapeutisch betreut.
Betroffen sind dann indirekt auch alle Frauen und Kinder und Angehörigen der Soldaten und Soldatinnen.

Der Krieg hat nach wie vor das Gesicht des Todes und des Leidens. Wir hier in unserem Frieden bekommen nicht allzu viel davon zu spüren.
Nur Fernsehbilder, in denen ich die Fratze der Gewalt zu sehen bekomme, schrecken mich gelegentlich auf,
und das nicht nur, wenn es um die Bundeswehr geht. Überall auf der Welt wuchern Krieg und Tod wie ein Krebsgeschwür,
unaufhaltsam und in immer neuen Facetten des Grauens.

An Tagen wie diesem, ist es gut, sich nicht nur zu erinnern an die Opfer der großen Kriege des letzten Jahrhunderts.
Es ist auch gut und wichtig, meine ich, sich an die zu erinnern, die irgendwo auf der Welt ihren Dienst im Rahmen
der internationalen Verpflichtungen unseres Landes tun. Und es ist gut, sich immer wieder vor Augen zu führen,
dass es „saubere“ Kriege, ohne Blutvergießen und ohne zivile Opfer niemals gegeben hat und niemals geben wird.

Der Volkstrauertag 2015 ist für mich ein Tag des Erinnerns an die vergangenen und gegenwärtigen Kriege,
in die wir Deutschen so oder so verstrickt sind. Zugleich ist er für mich aber auch ein Tag,
Gott zu danken, dass wir nun schon seit 70 Jahren in Frieden leben können.
Gott darum zu bitten, dass dies auch in Zukunft so bleibt, sollte die Aufgabe von all denen sein, die Gott noch etwas zutrauen.